Wasch-, Putz- & Reinigungsmittel: nur noch ökologisch!

Erweiterung der Sortimentsrichtlinien für den Naturkostfachhandel

Die Sortimentsrichtlinien für den Naturkostfachhandel (SRL) umfassen ab sofort den wichtigen Bereich der ökologischen Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel (WPR). Die neue Richtlinie ist in den vergangenen Monaten mit Experten, etablierten Standardgebern, Herstellern und Mitgliedern des SRL-Lenkungsgremiums erarbeitet worden und schließt so eine weitere Lücke der EU-Öko-Verordnung.

„Die Erweiterung der Richtlinien ist die konsequente Umsetzung der Ansprüche von Branche sowie Kundinnen und Kunden an den Naturkost-Fachhandel. Durch diese stete Weiterentwicklung erfüllen die Fachhändlerinnen und Fachhändler eine berechtigte Kundenerwartung, die deutschlandweit in keinen anderen Verkaufsstätten verbindlich garantiert wird“, freut sich Elke Röder, Geschäfts-führerin des Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V.

Die neue Richtlinie ist zweigeteilt. Im ersten Abschnitt wird festgeschrieben, welche besonders relevanten Kriterien ökologische WPR zur Anwendung in Privathaushalten mindestens erfüllen müssen. Hierzu zählen die biologische Abbaubarkeit, der Verzicht auf Gentechnik, die Definition einiger verbotener Inhaltsstoffe sowie der Ausschluss von Kunststoff-Mikropartikeln bzw. von Partikeln nanoskaliger Größe. Der Verzicht auf Gentechnik ist einer der zentralen Punkte der neuen Richtlinie:

„Aktuell lassen, aufgrund der schlechten Verfügbarkeit GVO-frei hergestellter Enzyme, einige der anerkannten Standards es zu, dass Enzyme durch Mikroorganismen, die gentechnisch modifiziert wurden, hergestellt werden. Auch wenn im dabei entstehenden Enzym keine gentechnische Veränderung feststellbar ist, macht die Sortimentsrichtlinie für ökologische Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel hier schon heute strengere Vorgaben, um den Einsatz gentechnischer Verfahren auch bei Enzymen sicher auszuschließen“, erläutert Cornelia Dressler, beim BNN zuständig für die SRL. „Sobald ein Hersteller in einem Produkt also Enzyme einsetzt, muss er zum einen sicherstellen, dass diese ohne Zuhilfenahme gentechnischer Verfahren hergestellt wurden und zum anderen, "gentechnikfrei" oder Ähnliches auf dem Produkt klar deklarieren.“

Um die Sortimentsrichtlinie zu erfüllen, muss ein Produkt die Forderungen zum Verzicht auf den Einsatz von Gentechnik auf allen Prozess-Stufen erfüllen und einem der hier genannten Standards entsprechen sowie durch unabhängige Zertifizierer kontrolliert und zertifiziert sein.

Anerkannte Standards sind derzeit:

Gleichzeitig fordert die SRL von den Standardgebern, bis Ende 2018 dafür zu sorgen, dass nur noch Enzyme zugelassen werden, die nicht durch GVO hergestellt wurden. Im zweiten Teil der neuen Richtlinie werden noch weitere Kriterien aufgeführt, die innerhalb von drei Jahren bei anerkannten Standards umgesetzt werden müssen.

„Wir wollen dadurch Produktinnovationen fördern“, fährt Cornelia Dressler fort. „Ziele sind zum Beispiel die wenigen aktuell zugelassenen petrochemischen Inhaltsstoffe ausnahmslos zu ersetzen und dafür zu sorgen, dass mehr und mehr Inhaltsstoffe aus kontrolliert ökologischem Anbau eingesetzt werden“, so Dressler.

Bereits Mitte Februar wird das SRL-Lenkungsgremium gemeinsam mit anerkannten Standardgebern an der Umsetzung dieser Forderungen arbeiten. Bis Ende 2017 besteht eine Übergangsfrist für nicht zertifizierte WPR. Zertifizierte Produkte sollen bereits jetzt bevorzugt gelistet werden.

Über die Sortimentsrichtlinien

Die EU-Öko-Verordnung, die im europäischen Rechtsbereich festlegt, was Bio ist und was nicht, deckt nur einen Teil des Angebots im Naturkost-Einzelhandel ab. Weil dies vielen Verbrauchern/-innen nicht bewusst ist und weil die Naturkost- und Naturwaren-Branche deutlich höhere Maßstäbe an eine nachhaltige Warenwirtschaft anlegt, wurden seit 1999 die Sortimentsrichtlinien entwickelt. Die vom Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. und Naturkost Südbayern e.V. erarbeiteten und herausgegebenen Richtlinien legen für deren Mitglieder aus dem Einzelhandel verpflichtend fest, was im Sortiment geführt werden darf und was nicht. Explizit geregelt sind die Bereiche Naturkosmetik, Wild, Fisch aus Wildfang, Nahrungsergänzungsmittel und Wasch-, Putz- sowie Reinigungsmittel.