Sortimentsrichtlinien für Wasch & Putz

Die neue Sortimentsrichtlinie für WPR erleichtern Händlern wie Kunden die Orientierung. Doch sie hat Folgen für das Sortiment.

Ecover kündigt eine neue Produktlinie für den deutschen BioFachhandel an. // Leo Frühschütz

Das Sortiment für Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel (WPR) wird von der EU-Ökoverordnung nicht erfasst. Für Händler und Kunden ist es schwer, einem Produkt anzusehen, ob es hohen ökologischen Maßstäben genügt. Hier soll künftig die WPR-Richtlinie Orientierung geben. Erarbeitet wurden sie von einem Lenkungsgremium aus Vertretern von BNN, Naturkost Südbayern (NSB) und Experten, Herstellern und etablierten Standardgebern. „Die Erweiterung der Richtlinien ist die konsequente Umsetzung der Ansprüche von Branche sowie Kundinnen und Kunden an den Naturkost-Fachhandel“, erklärte BNNGeschäftsführerin Elke Röder.

Die wichtigsten Kriterien

Die Produkte müssen leicht biologisch abbaubar sein. „Die Ansprüche an die biologische Abbaubarkeit gehen über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus“, heißt es im Text. Der Verzicht auf Gentechnik betrifft insbesondere Enzyme wie Amylasen oder Proteasen, die mit Hilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen hergestellt wurden. Hersteller, die Enzyme einsetzen, müssen die Gentechnikfreiheit entsprechend der EU-Öko-Verordnung nachweisen und sie deklarieren. Verboten werden einige „für Mensch und Umwelt hoch schädliche Stoffe“ wie chlororganische Verbindungen, Phtalate, chlorhaltige Bleichmittel, phosphathaltige Verbindungen, schädliche Schwermetalle und der Komplexbildner EDTA.
Ebenfalls ausgeschlossen wird der Einsatz von Mikroplastik und Nanopartikeln. Zudem müssen die Produkte einem von derzeit vier aufgeführten Standards entsprechen und durch unabhängige Zertifizierer kontrolliert und zertifiziert sein. Die Standards sind Ecogarantie, Ecocert, NCP (Nature Care Product) und ABG (Austria Bio Garantie).
Allerdings haben diese Standards aus Sicht von BNN und NSB noch Schwächen. So äußern sich manche nicht klar zur Gentechnikfreiheit oder zum Verbot von Tierversuchen. Oder sie erlauben Tenside mit Erdölbestandteilen. Auch schreiben sie nicht unbedingt Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau vor. Diese vier Punkte sollen die genannten vier Standards, soweit nötig, binnen drei Jahren korrigieren.

Übergangsfrist bis Ende 2017

Für die Hersteller gibt dies die Richtung vor, in die sich die Richtlinie künftig bewegen wird: Bio-Zutaten soweit möglich und keine ethoxilierten Tenside mehr. Zudem sollen die Hersteller „bis spätestens Ende 2018 einen Nachhaltigkeitsnachweis erbringen und diesen durch anerkannte Organisationen zertifizieren lassen“. Genannt werden als Beispiel EMAS, Green Brands, der BNN-Nachhaltigkeitsmonitor oder die Gemeinwohlbilanz.
Gültig ist die Richtlinie seit Januar 2016. Bis Ende 2017 besteht eine Übergangsfrist für nicht zertifizierte WPR. Eigens erwähnt ist, dass zertifizierte Produkte, die die Anforderungen zum Verzicht auf Gentechnik inklusive Deklaration erfüllen, bevorzugt gelistet werden sollen.

Folgen für das Sortiment

Ecover ist der wichtigste im Fachhandel vertretene Hersteller, den die Vorgaben in größerem Umfang berühren. Der belgische WPR-Hersteller verwendet in einigen Waschmitteln bislang Enzyme, die von gentechnisch hergestellten Organismen stammen und begründet dies mit deren Waschleistung. Auch finden sich in zahlreichen Produkten ethoxilierte Tenside, die binnen drei Jahren ausgemustert werden sollen. Als Reaktion auf die neue Richtlinie will der belgische Hersteller nun für den deutschen Markt ein EcoCert-zertifiziertes, fachhandelsexklusives WPR-Sortiment anbieten. Die Produkte seien in Arbeit und „die Übergangsphase ist mit unseren Handelspartnern und auf die BNN-Richtlinien abgestimmt, so dass es aktuell zu keinen Auslistungen kommen wird“, teilte Monique Klebsattel, Vertriebsleiterin von Ecover Deutschland, mit.